Wichtelwelt, Namen & Geschichten
Wichtel und Rentier: Eine Mitmachgeschichte
Eine Wichtel-und-Rentier-Geschichte wird besonders schön, wenn Kinder beim Vorlesen kleine Geräusche oder Bewegungen übernehmen dürfen. Hier findest du eine kurze Fantasiegeschichte samt einfachen Mitmachideen, die ohne viel Material auskommen und sich an das Alter der Kinder anpassen lassen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die kurze Geschichte eignet sich zum Vorlesen in der Adventszeit und lässt sich mit wenigen Handgriffen mitgestalten.
- Kinder können ein Rentier-Geräusch, leise Schritte oder eine Bewegung übernehmen – Mitmachen ist freiwillig.
- Für die Grundidee brauchst du kein Bastelmaterial. Eine kleine Wichteltür oder ein Rentierbild kann, muss aber nicht dazugehören.
- Plane etwa 5 bis 15 Minuten ein. Eine kurze Geschichte darf auch an einem vollen Tag genügen.
Die Geschichte: Das Rentier mit dem leisen Klingeln
Diese kleine Fantasiegeschichte kannst du direkt vorlesen. Mach beim ersten Durchgang gern Pausen an den Mitmachstellen. Wenn dein Kind lieber zuhört, lies einfach weiter.
Am Rand eines verschneiten Waldes wohnte der Wichtel Fenn in einem winzigen Häuschen. Eines Morgens hörte er draußen ein Klingeln. Nicht laut und hell, sondern ganz leise: kling … kling … kling.
Fenn zog seine rote Mütze über die Ohren und trat vor die Tür. Auf dem weichen Schnee entdeckte er Spuren, die bis zu einer Tanne führten. Dort stand ein junges Rentier. Es hieß Milla und hielt den Kopf schief.
„Mein Glöckchen klingt heute kaum“, sagte Milla. „Dabei möchte ich meiner Herde den Weg nach Hause zeigen.“
Fenn lauschte. Gemeinsam lauschten sie noch einmal. Vielleicht kannst du dabei ganz still sein und hören, welche leisen Geräusche es im Raum gibt.
Da bemerkte Fenn: Das Glöckchen war nicht kaputt. Ein kleiner Schneeklumpen hatte sich daran festgesetzt. Milla schüttelte vorsichtig den Kopf. Fenn pustete einmal sanft – und der Schnee löste sich.
Kling … kling … kling. Das Glöckchen klang wieder, aber nicht besonders laut. Milla lächelte. „Das reicht. Wer gut zuhört, findet den Weg.“
Sie gingen zusammen zwischen den Tannen hindurch. Fenn machte kleine Schritte, Milla setzte ihre Hufe ganz behutsam in den Schnee. Am Waldrand wartete die Herde. Bevor Milla davonging, stupste sie Fenn freundlich an die Mütze.
Seit diesem Morgen lauschte Fenn manchmal am Fenster. Und wenn er ein leises Klingeln hörte, wusste er: Irgendwo findet gerade jemand mit etwas Geduld den richtigen Weg.
Mitmachideen zur Geschichte
1. Das leise Klingeln gemeinsam suchen
Bei der Stelle, an der Fenn und Milla lauschen, machst du eine kleine Pause. Frage, welche leisen Geräusche gerade zu hören sind: vielleicht ein Schritt im Flur, Wind am Fenster oder das Rascheln einer Decke. Es geht nicht ums richtige Erraten. Ihr könnt auch einfach ein paar Atemzüge still sein und dann weiterlesen.
Dauer: 5–8 Minuten
Material: keines
Alter: ab etwa 3 Jahren
Aufräumaufwand: keiner
2. Rentierspuren auf dem Weg zum Wiedersehen
Nach der Geschichte kann dein Kind mit den Füßen oder Händen vorsichtige Rentierschritte vormachen. Für eine ruhigere Variante tippt ihr abwechselnd mit zwei Fingern auf den Boden. Wenn du eine kleine Szene vorbereiten möchtest, legst du drei größere Papierkreise als Spuren in den Raum. Sie führen gedanklich bis zum Wiedersehen mit der Herde – auf dem Papier muss nichts stehen.
Dauer: 5–10 Minuten
Material: keines oder drei größere Papierkreise
Alter: etwa 2–8 Jahre, je nach Lust auf Bewegung
Aufräumaufwand: gering; Papierkreise wieder einsammeln
3. Ein neues Ende ausdenken
Lade dein Kind nach dem Vorlesen zu einer einzigen Frage ein: Was könnte Milla ihrer Herde erzählen? Oder: Was macht Fenn, wenn er am nächsten Morgen wieder ein Klingeln hört? Dein Kind kann antworten, eine Bewegung zeigen oder einfach nur zuhören. Du kannst den Einfall in ein bis zwei Sätzen weitererzählen, ohne daraus gleich ein großes Bastelprojekt zu machen.
Dauer: 3–10 Minuten
Material: keines
Alter: etwa 4–10 Jahre; für kleinere Kinder reichen Auswahlfragen wie „Geht Milla zum Wald oder nach Hause?“
Aufräumaufwand: keiner
Wenn es mal schnell gehen muss
Lies nur den Teil vom Klingeln bis zu Millas Wiedersehen mit der Herde vor. Lass dein Kind einmal leise klingeln, indem es mit der Zunge schnalzt oder mit einem Finger auf die eigene Hand tippt. Das dauert kaum länger als zwei Minuten und braucht keine Vorbereitung. Möchte niemand mitmachen, ist das Vorlesen allein genauso in Ordnung.
Kleine Varianten für unterschiedliche Abende
- Für Geschwister: Ein Kind übernimmt Millas leise Schritte, das andere lauscht mit Fenn. Beim nächsten Vorlesen könnt ihr tauschen.
- Für einen ruhigen Abend: Lass alle Bewegungen weg und lies langsam vor. Eine kurze Pause nach dem Klingeln genügt als Mitmachmoment.
- Für unterwegs oder zwei Haushalte: Die Geschichte funktioniert ohne Kulisse und Material. Sie kann auch am Telefon vorgelesen oder in beiden Zuhause auf dieselbe Weise erzählt werden.
- Für Kinder, die Geräusche nicht mögen: Ersetze das Klingeln durch ein sichtbares Zeichen, etwa eine geöffnete Hand. Mitmachen bleibt immer freiwillig.
Häufige Fragen
Ist die Geschichte ein überliefertes Märchen?
Nein. Es ist eine eigens erfundene Fantasiegeschichte für ein gemeinsames Vorlesemoment.
Muss ich eine Wichteltür oder ein Rentier vorbereiten?
Nein. Die Geschichte funktioniert allein mit Stimme und Vorstellungskraft. Eine kleine Kulisse ist eine optionale Ergänzung, keine Voraussetzung.
Wie oft kann ich die Geschichte vorlesen?
So oft ihr mögt. Beim zweiten Mal können Kinder vielleicht schon ein Geräusch oder einen Satz übernehmen. Du musst aber nicht jedes Mal etwas Neues vorbereiten.
Passt die Geschichte auch für jüngere Kinder?
Die Handlung ist einfach gehalten. Für Kinder um zwei Jahre kannst du sie kürzen und die leisen Schritte mit einer Bewegung begleiten. Wenn dein Kind lieber nur zuhört, passt das ebenfalls.
Und jetzt?
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